Welche Krankenversicherung als Student?

Wer an einer staatlichen bzw. staatlich anerkannten Hochschule in Deutschland studiert ist sowohl in der Kranken- wie auch in der Pflegeversicherung versicherungspflichtig. Dies gilt auch für Studenten, welche für ein Aufbau- oder Erweiterungsstudium eingeschrieben sind bzw. ein Auslands- oder Urlaubssemesters absolvieren. Aus diesem Grund muss bei der Immatrikulation eine bestehende Krankenversicherung für Studenten nachgewiesen werden. Dabei haben Studenten verschiedene Möglichkeiten, wie sie sich krankenversichern können.

Beitragsfreie Mitversicherung in der Familienversicherung

Student beim ArztWer schon als Schüler beitragsfrei über die gesetzliche Krankenversicherung der Eltern mitversichert war, kann dies auch während des Studiums beibehalten. Die Familienversicherung der gesetzlichen Krankenkassen gilt bis zum vollendeten 25. Lebensjahr. Wurde vor dem Studium der Wehr- oder Zivildienst abgeleistet verlängert sich die kostenlose Familienversicherung um die Dauer des Dienstes. Was den 2011 eingeführten freiwilligen Wehrdienst bzw. einen anderen Freiwilligendienst nach dem Bundesfreiwilligendienstgesetz oder dem Jugendfreiwilligendienstegesetz betrifft, gilt eine maximale Verlängerung von 12 Monaten. Während der kostenlosen Familienversicherung dürfen Studenten nicht arbeiten, es sei denn es handelt sich dabei ausschließlich um einen Minijob.

Ausgeschlossen ist die Familienversicherung, wenn die folgenden vier Faktoren gleichzeitig zutreffen:

  • Die Eltern sind verheiratet
  • Eines der Elternteile ist privat krankenversichert
  • Der privat versicherte Elternteil verdient brutto mehr, als der gesetzlich versicherte.
  • Der Privatversicherte verdient mehr als 4 462,5 Euro brutto im Monat.

Die studentische Pflichtversicherung

Studenten die älter als 25 Jahre sind oder mehr als 395 Euro bzw. bei Minijobs mehr als 450 Euro monatlich verdienen können sich nicht mehr über die Familienversicherung der Eltern krankenversichern. In diesem Fall ist eine studentische Pflichtversicherung erforderlich. Die monatlichen Beiträge hierfür sind bei allen gesetzlichen Krankenkassen gleich. Inklusive Pflegeversicherung kostet die Pflichtversicherung für Studenten monatlich 77,01 Euro. Studenten über 23, die noch keine Kinder haben, zahlen mit 78,50 Euro etwas mehr. Endet die studentische Pflichtversicherung beispielsweise wegen Überschreitung der Altersgrenze haben Studenten die Möglichkeit, sich freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung zu versichern. Der Beitrag richtet sich dabei an der Einkommenshöhe.

Arbeiten neben dem Studium

Um die günstige Pflichtversicherung in Anspruch nehmen zu können müssen Studenten den größten Teil ihrer Zeit und Arbeitskraft für das Studium verwenden. Um mögliche Probleme zu vermeiden, sollte die Wochenarbeitszeit nicht mehr als 19 Stunden betragen. Wer jedoch regelmäßig seine Scheine macht und die Vorlesungen besucht, kann in begründeten Ausnahmefällen auch länger arbeiten. Dazu darf die Arbeitszeitgrenze während der Semesterferien sowie an Wochenenden und in Abendstunden überschritten werden, ohne dass hierfür ein höherer Beitragssatz erhoben wird. Weitere Ausnahmen gelten für berufsmäßig beschäftigte Beamte.

Auswahl der gesetzlichen Krankenkasse für Studenten

Angeboten wird die studentische Pflichtversicherung von nahezu allen gesetzlichen Krankenkassen. Zur Auswahl stehen unter anderem AOK, Ersatzkassen, Knappschaft sowie Betriebs- und Innungskassen des Wohn- oder Studienortes. Die Entscheidung für eine Krankenkasse muss spätestens 14 Tage nach Eintreten der Versicherungspflicht getroffen werden. Im Rahmen der Familienversicherung können Studenten die gesetzliche Krankenkasse nicht frei wählen. Hier ist immer die Entscheidung des Kassenmitglieds bindend. Bei einer privaten Krankenversicherung besteht natürlich ebenfalls ein Wahlrecht. Aufgrund der teilweise erheblichen Prämienunterschiede lohnt sich für Studenten in jedem Fall ein genauer Preisvergleich.

Krankenkassen in der Schweiz

Exkurs: Wer dauerhaft im Nachbarland Schweiz lebt oder studiert, benötigt ggf. auch eine Schweizer Krankenkasse. Das System dort unterscheidet sich stark zu dem Krankenversicherungssystem hier. Grundsätzlich benötigt jeder Student eine Grundversicherung, diese kann ggf. durch Zusatzversicherungen erweitert werden. Man ist nicht gezwungen, die Zusatzversicherung beim gleichen Krankenversicherer abzuschliessen wie die Grundversicherung. Da das Thema recht komplex ist, empfiehlt sich ein Krankenkassenvergleich für die Schweiz.

Private Krankenversicherung für Studenten

Studenten, die bereits als Jugendliche privat krankenversichert waren, können sich von der Versicherungspflicht befreien lassen. Diese Entscheidung kann jedoch während des Studiums nicht mehr rückgängig gemacht werden. Das bedeutet er muss während des gesamten Studiums privat versichert bleiben. Ein Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung ist erst zum Ende des Studiums beispielsweise nach Aufnahme einer versicherungspflichtigen Beschäftigung möglich. Der Antrag auf Befreiung von der Versicherungspflicht muss spätestens drei Monate nach Studienbeginn eingereicht werden.

Nach Ablauf der studentischen Pflichtversicherung kann ebenfalls ein Wechsel zur privaten Krankenversicherung durchgeführt werden. Ob dies günstiger ist, zeigt ein genauer Versicherungsvergleich. Zu beachten ist außerdem, dass ein gewisses Risiko besteht, nach dem Studium in der privaten Krankenversicherung „festzusitzen“ falls sich nach dem Studium keine versicherungspflichtige Beschäftigung findet bzw. der Student sich direkt anschließend selbstständig macht.

PKV kann sich für Studenten lohnen

Die meisten privaten Krankenversicherer bieten speziell auf die Bedürfnisse von Studenten zugeschnittene Tarife an. Im Gegensatz zur gesetzlichen Krankenversicherung gelten bei diesen weniger strenge Altersgrenzen. Die Angebote sind in der Regel von der Anzahl der Semester abhängig und können zumeist bis zum 34. Lebensjahr abgeschlossen werden. Neben günstigen Beiträgen bieten die privaten Tarife oftmals auch die deutlich besseren Leistungen. So profitieren privat versicherte Studenten unter anderem von einer freien Arzt- und Krankenhauswahl. Je nach gewähltem Tarif werden bis zu 80 Prozent für Zahnersatz übernommen. Sogar die Kostenübernahme für die Behandlung beim Heilpraktiker gehört zum Leistungsangebot vieler privater Krankenkassen.

Private Krankenversicherungen für Studenten im Vergleich

Eine private Krankenversicherung für Studenten wird unter anderem vom Versicherer Debeka angeboten. Der Tarif mit der Bezeichnung „PSKV“ kostet monatlich 109,30 Euro und ist damit nur unwesentlich teurer als die studentische Pflichtversicherung bei den gesetzlichen Krankenkassen. Dafür bietet die PKV der Debeka jedoch die deutlich besseren Leistungen.

Hierzu gehören unter anderem:

  • Stationäre Unterbringung im Mehrbettzimmer
  • Vollständige Kostenübernahme für Arznei-, Heil- und Verbandsmittel
  • Hilfsmittel werden bis zu 51,13 Euro übernommen
  • Komplette Übernahme von Zahnbehandlungen
  • 50-prozentige Erstattung von Zahnersatz
  • Vollständige Kostenübernahme für kieferorthopädische Behandlungen

Optional können Studenten auch eine Unterbringung im Zweibettzimmer mit Chefarztbehandlung wählen. Positiv bei der Debeka sind die konstanten Beiträge. Zwischen 2012 und 2014 blieben diese absolut konstant.

Beim Versicherer Huk-Coburg können Studenten zwischen zwei unterschiedlichen Tarifen wählen. Beim Tarif „Select0 S“ wird kein jährlicher Selbstbehalt berechnet, für den Tarif „Select600 S“ wird eine jährliche Selbstbeteiligung von 600 Euro berechnet.

Der Leistungsumfang ist bei beiden Tarifen identisch:

  • Chefarztbehandlung mit Zweibettzimmer
  • 100 Prozent für Hilfsmittel wie Brillen oder Kontaktlinsen
  • Freie Arzt- und Krankenhauswahl
  • 60 Prozent für Zahnersatz
  • 80 Prozent bei Heilmittelbehandlungen

Bei den aufgeführten Leistungen handelt es sich jeweils um garantierte Leistungen.

Weitere Anbieter von privaten Krankenversicherungen:

  • Axa Krankenversicherung
  • Münchener Verein
  • Barmenia
  • Central Krankenversicherung
  • Deutscher Ring
  • Hallesche Krankenversicherung
  • Deutsche Krankenversicherung (DKV)

Wie die Vergleiche zeigen, gibt es zwischen den einzelnen Versicherern mitunter deutliche Unterschiede. Ein genauer Vergleich lohnt sich deshalb gleich doppelt. Zum einen profitieren Studenten so von günstigeren Prämien und zum anderen Profitieren sie von besseren Leistungen.


Bilder: © Edyta Pawlowska – fotolia.com

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