Gebäudeversicherung: „Unverzichtbar“ für Hausbesitzer

Eine Wohngebäudeversicherung schützt vor hohen Kosten im SchadensfallEine Wohngebäudeversicherung nach Ansicht von Verbraucherschützern ein absolutes Muss für Immobilienbesitzer. Die Versicherung kommt dann auf, wenn das Eigenheim etwa durch einen Brand teilweise oder komplett zerstört wird. Die Wohngebäudeversicherung ist zuständig für alle unbeweglichen Gegenstände wie das Mauerwerk, Fenster und Türen oder auch das fest verklebte Parkett. Was nicht unmittelbar zu den eigenen vier Wänden gehört, sondern sich bewegen lässt, fällt unter die Hausratversicherung. Sie stellt eine Ergänzung zur Wohngebäudeversicherung dar und sichert das Inventar, wie beispielswiese das Sofa, den Laptop oder Schuhe ab.

In einem Eigenheim stecken jahrelanger Fleiß und große Investitionen. Auf den eigenen vier Wänden gründet sich die ganze Existenz von Familien. Wenn das Haus durch Feuer oder andere Umwelteinflüsse zerstört oder beschädigt wird, ist das nicht nur ein emotinaler Albtraum. Es stellt Hausbesitzer oftmals auch vor eine unlösbare finanzielle Aufgabe.

Tarifini.de fasst die wichtigsten Wohngebäudeversicherung Leistungen zusammen und gibt einen Überblick über die Testsieger der letzten Jahre. Außerdem erklären wir, wie sich Kunden im Schadensfall verhalten sollten und wie sich Stiftung Warentest und Co. zur Wohngebäudeversicherung äußern.

Das leistet die Gebäudeversicherung

Die Wohngebäudeversicherung ist für alle Teile des Gebäudes zuständig, sie leistet bei Schäden vom Keller bis zum Dach. Aber Vorsicht: Sie gilt beispielsweise nicht für Gartenhäuschen oder die Garage. Alle Nebengebäude müssen extra aufgenommen werden.

Bei der Wohngebäudeversicherung ist einerseits definiert, dass nur feste Bestandteile des Hauses abgesichert sind. Darüber hinaus werden auch Ursachen festgelegt, die Verwüstungen anrichten können und durch die Police abgedeckt sind. Darunter fallen:

  • Schäden durch Feuer und Explosionen, wenn zum Beispiel ein Blitz einschlägt
  • Schäden durch den Austritt von Leitungswasser, etwa bei einem Rohrbruch. Überschwemmungen durch Hochwasser sind hingegen nicht eingeschlossen
  • Schäden durch Sturm (mindestens Stärke 8) und Hagel, also etwa Schäden an der Fassade, den Rolladen oder dem Dach

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) listet auf, welche Schäden im Durchschnitt am teuersten werden – wie die Tabelle zeigt, ist Feuer nicht nur sehr gefährlich, die Spuren eines Brandes sind auch nur sehr kostenintensiv zu beheben. Bei Sturm & Hagel fällt meistens „nur“ ein kleiner vierstelliger Schaden an, während der Austritt von Leitungswasser fast doppelt so teuer ist:

SchadenWohngebäudeversicherung:

Kosten pro Fall

Feuer4.148 €
Leitungswasser1.961 €
Sturm & Hagel1.161 €
Elementarschäden4.767 €

Pro Schadensfall zahlen die Wohngebäudeversicherer etwas mehr als 2.000 Euro und damit deutlich mehr als die Hausratversicherer (1.250 Euro). Im Jahr 2014 schütteten die die Wohngebäudeversicherer beinahe 6 Milliarden Euro an Leistungen an ihre Kunden aus.

Die Tabelle führt auch Elementarschäden mit auf. Diese zählen allerdings nicht zu der Standardausstattung einer Wohngebäudeversicherung. Stattdessen müssen sie extra mit in die Police aufgenommen werden. In diesen Fällen leistet die zusätzliche Elementarschadenversicherung:

  • bei Erdbeben, Erdrutschen und Erdsenkungen
  • Hochwasser, Überschwemmungen und Starkregen
  • Lawinen und Schneedruck

Wohngebäudeversicherung im Detail

Bei vollständig zerstörten Häusern erhalten Versicherte den Neuwert des Gebäudes. Das bedeutet, dass sie die finanziellen Mittel für den Bau oder Kauf eines gleichartiges Haus zu den mittlerweile gültigen Preisen erhalten. Auch Kosten für den Architekten, die Konstruktion und Plaunung sind laut GDV durch die Gebäudeversicherung abgedeckt. Obacht: Der Kunde muss aber innerhalb von drei Jahren mit dem Wiederaufbau des Eigenheims beginnen!

Zwischen den einzelnen Wohngebäudeversicherungen gibt es jedoch starke Unterschiede. Woran erkennen Verbraucher nun, dass sie eine gute Versicherung auswahlen und worauf sollten sie bei der Vertragsgestaltung achten? Die wichtigsten Vertragsinhalte, die unter anderem auf Empfehlungen des Bunds der Versicherten sowie Stiftung Warentest basieren, haben wir hier zusammengestellt:

Checkliste Gebäudeversicherung:

  • „Gleitender Neuwert“: Diese Formulierung ist bei einer Wohngebäudeversicherung üblich. Sie beschreibt, dass die Versicherung nicht nur den Gebrauchswert des Gebäudes absichert. Vielmehr berücksichtigt sie den aktuellen Verkaufswert der Immobilie, damit Kunden sich im schlimmsten Fall ein neues Haus bauen können. Damit verliert das Gebäude in der Versicherung nie an Wert. Sollte es einmal zerstört werden, würde ein Neubau sogar automatisch eine Wertsteigerung mit sich bringen.
  • Verzicht auf grobe Fahrlässigkeit: Eine gute Wohngebäudeversicherung sollte zwingend auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit verzichten. Das Unternehmen darf die Leistungen auch dann nicht kürzen, wenn der Kunde etwa die Kerzen nicht ausgemacht hat oder das Haus nicht ordnungsgemäß abgeschlossen hat. Eine Tat mit Vorsatz ist hingegen nie durch die Gebäudeversicherung abgedeckt. So zahlt der Versicherer bei Brandstiftung durch den Hausherren oder die Hausfrau natürlich keine Leistungen.
  • Übernahme der Kosten für Mietersatz: Der Kunde und seine Familie sollten so lange kostenfrei in einer alternativen Unterbringung leben können, bis das Haus wiederhergestellt ist.
  • Bewegungs- und Schutzkosten: Nicht nur Personen müssen manchmal an einen anderen Ort gebracht werden. So können auch Teile des Hauses zur Renovierung gebracht werden. Der Versicherer sollte für Transport und Einlagerung bis zur Höhe der Versicherungssumme leisten.
  • Aufräum und Abbruchkosten: Je größer der Schaden, desto teurer wird es auch, ihn zu behoben. Aufräum und Abbruchkosten sind keinesfalls außer Acht zu lassen – sie sollten ebenso bis zur Höhe der Versicherungssumme übernommen werden. Laut Stiftung Warentest muss diese Leistungen oft extra hinzugebucht werden.
  • Überspannungsschäden: Der Versicherer sollte nicht nur zahlen, wenn Blitze Brände verursachen. Auch Überspannungsschäden sollten mit eingeschlossen sein.
  • Bei Frost und anderen Bruchschäden an Ableitungsrohren sollte die Versicherung nicht außerhalb des Hauses enden – stattdessen sollten alle Zuführungen auf dem Grundstück mit in die Zuständigkeit der Wohngebäudeversicherung fallen.
  • Mehrkosten durch Behörden sollte der Versicherer ebenfalls kompensieren.

Wer eine Fotovoltaikanlage besitzt, sollte im Zweifelsfall nachfragen, ob sie ebenfalls durch die Wohngebäudeversicherung geschützt ist und sie bei Bedarf zusätzlich mit aufnehmen.

Tipp für den Schadensfall:

Kunden sind dazu aufgerufen, die Schäden so gut wie möglich zu bekämpfen – Schäden durch Leistungswasser sollten also beispielsweise möglichst schnell getrocknet werden. Auf der anderen Seite sollten Kunden aber im Schadensfall auch nicht vorschnell handeln – es ist wichtig, erst die Schäden zu dokumentieren und nicht ohne Absprache mit dem Versicherer mit den Aufräumarbeiten zu beginnen. Ansonsten fällt es schwer, später den Schaden einwandfrei nachzuweisen.

Zu den Pflichten des Kunden zählt auch, dem Versicherer unverzüglich Gefahrenerhöhungen mitzuteilen. Wenn also das Haus vorübergehend leer steht oder in den vier Wänden ein Gewerbe eröffnet wird, muss der Versicherer benachrichtigt werden. Ansonsten riskiert der Versicherte, dass das Unternehmen im Schadensfall die Leistungen nicht bewilligt.

Ist die Wohngebäudeversicherung sinnvoll?

Viele Verbraucher stellen sich die Frage, ob sie eine Gebäudeversicherung benötigen oder ob auf eine solche Absicherung nicht auch verzichten können. Die Gebäudeversicherung wird von führenden Verbraucherschutzorganisationen bedingungslos empfohlen. Der gemeinnützige Bund der Versicherten hält die Police für „unverzichtbar“. Auch Stiftung Warentest meint: „Haus­besitzer brauchen eine Wohn­gebäude­versicherung.

Schließlich kann niemand verhindern, dass das Haus abbrennt oder durch Leistungswasser oder einen Sturm verwüstet wird. Die Folge sind existentielle finanzielle Probleme, die durch eine Gebäudeversicherung verhindert werden können.

Stiftung Warentest empfiehlt darüber hinaus auch, Kosten und Nutzen einer Elementarschadenversicherung abzuwägen und sich gegebenenfalls auch gegen Erdbeben, Hochwasser und Schneeschäden abzusichern. Lesen Sie hier mehr zum Thema Elementarschäden.

Eine Wohngebäudeversicherung ist oftmals wichtiger als eine Hausratversicherung – schließlich sind die Schäden am Gebäude um fast 60 Prozent teurer. Als Mitglied der größten deutschen Verbraucherschutzorganisation meint BdV-Pressereferentin Bianca Boss: „Gut, wer im Schadensfall beides hat.“

Was eine Wohngebäudeversicherung kosten darf

Die Kosten der Wohngebäudeversicherung sind von verschiedenen Faktoren abhängig und können von Immobilie zu Immobilie weit auseinandergehen. Als erstes spielt natürlich der Wert des Hauses eine große Rolle. Darüber hinaus ist auch der Wohnort entscheidend – hier ermitteln die Versicherer für jede Postleitzahl ein unterschiedliches Risiko. Auch das unmittelbare Wohnumfeld wirkt sich auf die Prämien der Wohngebäudeversicherung aus. Darüber hinaus hat auch die Konstruktion des Gebäudes einen Einfluss. Ebenso ist es wichtig, ob das Haus permanent bewohnt wird und ob es ausschließlich privat oder auch gewerblich genutzt wird. Laut Bund der Versicherten (BdV) können ein eingebautes Schwimmbad oder eine Fußbodenheizung zusätzliche Kosten verursachen.

Der BdV empfiehlt, einen Tarif mit Selbstbeteiligung zu wählen. So übernehmen Kunden bei kleineren Schäden zwar einen relativ hohen Anteil an den Kosten, sind aber weiter für die existenziellen Bedrohungen geschützt. Nach einem Schadensfall können beide Seiten die Kündigung aussprechen – mit einer Selbstbeteiligung ist die Gefahr geringer, dass der Hausbesitzer plötzlich ohne Schutz dasteht. Außerdem können Kunden durch die Selbstbeteiligung einen Teil ihrer Beiträge einsparen.

Stiftung Warentest stellte im Finanztest 7/2011 große Unterschiede zwischen den einzelnen Unternehmen fest. Deshalb sollten Verbraucher unbedingt die Policen vergleichen – pro Jahr gibt es laut Stiftung Warentest oftmals ein Einsparpotential von 500 Euro! Je nach Standort erwarten Hausbesitzer unterschiedliche Kosten. In Gemeinden mit kleinem Risiko kann eine Wohngebäudeversicherung in manchen Fällen für weniger als 200 Euro pro Jahr abgeschlossen werden. In Großstädten ist die Absicherung meistens teurer – letztendlich sollte es auch nicht nur auf den Preis ankommen – in erster Linie müssen auch die wichtigsten Leistungen, wie zum Beispiel aus unserer Checkliste, inbegriffen sein.

Wohngebäudeversicherung im Test

Eine aktuellere Untersuchung als den Finanztest 7/2011 hat Stiftung Warentest zur Wohngebäudeversicherung nicht durchgeführt. Damals überzeugten folgende Anbieter bei Stiftung Warentest:

mit einem sehr starken Beitragsniveau.

Außerdem untersuchte auch das Deutsche Institut für Service-Qualität im April 2014 im Auftrag von n-tv die besten Wohngebäudeversicherungen. Dabei testeten die Experten die Versicherungsbedingungen und das Beitragsniveau der bedeutensten deutschen Unternehmen. Den Testsieg sicherte sich die DEVK Wohngebäudeversicherung, die in beiden Bereichen vorn mit dabei war. Auf Platz zwei folgt die Interlloyd. Sie ist für besonders anspruchsvolle Kunden interessant, die bereit sind, auch ein wenig mehr als bei der Konkurrenz zu bezahlen. Den dritten Platz ergatterte die Gebäudeversicherung der VHV. Am wenigsten überzeugte die Generali, die nicht über den 12. und damit letzten Rang hinauskam.

Die Rating-Agentur Franke & Bornberg überprüft laufend die Wohngebäudeversicherer und verteilt Rankings in den Kategorien Top-, Grund- und Standardschutz. Die beste Note ist ein FFF, was einem hervorragenden Urteil entspricht. Hier finden Kunden mit unterschiedlichem Budget Empfehlungen für sehr gute Versicherer. Besonders groß ist die Auswahl beim Top-Schutz, wo die Spanne der vielen hervorragend bewerteten Unternehmen von A wie AachenMünchener bis W wie Württembergische reicht (Stand Juli 2015). Auch beim Standardschutz mit ausgewogenem Preis-Leistungs-Verhältnis ist die Auswahl für den Kunden riesig. Bei den besonders günstigen Policen mit einem Grundschutz kann sich im aktuellen Vergleich hingegen nur die Bruderhilfe mit der Top-Note empfehlen.

Wohngebäudeversicherung Tests sind für potenzielle Kunden eine erste Orientierung. Da die Ergebnisse je nach Lage und Wert der Immobilie schwanken, empfiehlt sich zusätzlich ein individueller Vergleich mit einen Gebäudeversicherung-Rechner.